Euphemismus des innovativen Mitarbeiters

Wenn ich “Artikel” wie “Bewerber aus dem Mutantenstadl” oder “Das Zitat … und Ihr Gewinn” lese, freue ich mich über die nette Aufforderung an Unternehmen und Personaler, doch nach kreativen und nicht angepassten Mitarbeitern zu suchen.

Ich glaube auch, dass es so manchem Unternehmen mehr bringen würde, Mitarbeiter zu beschäftigen, die über Querdenke verfügen und nicht nur opportunistisch oder ehrgeizig an ihrem persönlichen Erfolg anstatt am Erfolg des Unternehmens arbeiten würden (ich glaube Nachhaltigkeit heißt hier das Stichwort). Aber ich habe da auch meine Zweifel.

Da ist einmal der Berufsstand der beiden Autoren: Karriere-Berater. Ob diese berufen sind, die nicht Angepassten zu fördern?

Aber von Anfang an. Die erste Hürde, die es zu nehmen gilt, ist die Job-Bewerbung. Im Vorfeld einer Bewerbung erfährt der Kandidat (m und w) in der Ausbildung oder eben von erwähnten Karriere-Beratern wie wichtig seine Persönlichkeit und Individualität ist. Dafür gibt es normierte Bewerbungs- und Lebenslauf-Formulare, klare Regeln, wie man sich präsentieren und kleiden soll, welche Antworten man geben soll und welche Fragen man stellen muss…

Durch das Netz haben sich die Bewerber pro Job vervielfacht. Um diese vorselektieren zu können, werden immer mehr Kriterien angelegt, die sich an vermeintlichen Standards orientieren. Wer keinen konventionellen Lebenslauf oder Abschlüsse hat fliegt raus, man will ja nur die “Richtigen”. Nehmen wir mal an, unser innovative Kandidat schafft diesen ersten Schritt (es bewerben sich zu wenig, jemand hat zufällig doch das originelle PDF bei der Bewerbung gelesen…).

Als Nächstes erfolgen die Bewerbungsgespräche mit Personalern und Verantwortlichen. Diese sind aber die monierten Opportunisten und Karrieristen und da stellt sich mir die Frage, erkennen diese das kreative Potential eines Kandidaten? Und falls sie es erkennen: werden diese ihn empfehlen bzw. anstellen, wenn der Opportunist weiss, dass der Kandidat nicht angepasst agiert und der Karrierist weiss, dass der Kandidat eine echte Konkurrenz sein könnte?

Und selbst wenn unser Kandidat einen Job bekommt, wird es ihm gelingen, seine Querdenken durchzusetzen um wirkliche Innovationen umzusetzen können? In einem Umfeld, das meist konzern-bürokratisch organisiert ist und in dem oft die Opportunisten das Sagen haben?

Ich vermute ja eher, dass es die kreativen Mitarbeiter bereits in den Unternehmen gibt. Aber mancher arbeitet bereits an seinem Ausstieg und die anderen lernen in der Praxis, dass man mit Anpassung und Rücksichtslosigkeit weiter kommt.

Die meist eingesetzten Methoden sollten sich verändern um kreative Mitarbeiter zu finden und die Strukturen sollten sich verändern, damit man diese auch behält und von ihnen profitiert. Modelle gäbe es genug, aber um diese durchzusetzen braucht es innovative Entscheider und damit wären wir wieder am Anfang dieses Artikels…

Martin Diller [Strategie | Kreation] . Ich berate Unternehmen, entwickle Strategien und Konzepte im Bereich Online-, Dialog Marketing und Corporate Design und sorge für deren Umsetzung.
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