Mehr Rechte …

Jetzt soll es doch kommen. Das Leistungsschutzrecht. Zumindest mal in Deutschland. Man weiss zwar noch nicht was genau drinstehen soll (das scheint die neue Marotte der Politik zu sein, “Rechte” durchzusetzen wollen, über die momentan fast keiner weiss, wie sie genau ausschauen sollen siehe auch ACTA), aber es soll kommen… via netzpolitik.org “Axel Springer kauft Leistungsschutzrecht bei Koalition”.

Keiner weiss, ob das Leistungsschutzrecht nun eine “Lex Google” sein soll oder sogar alle Verlinkungen “gewerblicher Seiten” betreffen soll:

Wenn man frühere Ankündigungen von Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger wörtlich nähme, müsse man davon ausgehen, dass das Leistungsschutzrecht sogar schon bei reinen Links auf gewerblichen Seiten zur Anwendung käme.

via wuv “Medienrechtler: Leistungsschutzrecht für Verlage ist ‘schwer durchzusetzen’”.

Die Nicht-Informationen, wie dieses Recht aussehen soll und vor allem welche Konsequenzen damit einhergehen, kennt man bereits seit Beginn der Diskussion via netzpolitik.org “Nichts Genaues weiß man nicht” oder via c’t “Kulturkampf – Streit um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage”.

Argumente und kritische Bewertungen gegen ein Leistungsschutzrecht gibt es zuhauf via carta “Leistungsschutzrecht: 10 Gründe gegen eine ‘Presse-GEZ’” oder auch IGEL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht und aktuell auch eine gute Bewertung auf zeit online “Bundesregierung erspart Verlegern Innovation”. Eine ernsthafte Beschäftigung damit vermisst man aber nicht nur bei den Verlegern, sondern auch bei den Politikern.

Lex Google?

Das sind keine Suchergebnisse, sondern geistiges Eigentum...

Ein Ziel ist in jedem Fall klar: der Hauptkampf gilt Google und seinen Google News und ist auch keinesfalls auf Deutschland beschränkt via FAZ “Verleger hoffen auf Beistand aus Brüssel”.

Die Kritik der Verlage: die Suchmaschine listet Suchergebnisse aus ihren Medien auf, hat Werbung auf ihrer Seite (zwar nicht auf der News-Suche, aber das interessiert niemand) ergo steht den Verlagen ein Anteil an diesen Werbeeinnahmen zu. Natürlich angeblich alles im Interesse des geistigen Eigentums “Eigentum, geistiges” via neusprech.org und der Urheber (Journaillisten Journalisten), die aber im Normalfall sowieso die Verwertungsrechte an ihre Verlage via Vertrag verkauft haben.

Moniert werden aber nicht nur die Textausschnitte, sogenannte Snippets (die angeblich eine journalistische Leistung darstellen sollen), sondern auch

  • die Reihung der Suchergebnisse “Sie werfen dem US-Konzern vor, Verlagsseiten bei Google-Suchen zu benachteiligen und fordern ein faires Ranking (“fair search”)” via secure-one.de “Google: Verleger ziehen Fair-Share-Beschwerde zurück”
  • die Inhalte der Snippets kritisiert “’80 Prozent der User klicken danach nicht weiter’, womit den Content-Herstellern die Kunden entgehen, so Russ.” via derstandard.at “Verleger Russ sieht “Schmarotzertum” bei Google” (wobei ich in diesem Fall hoffe, dass so mancher Verleger in der Zwischenzeit gelernt hat, dass er selbst für den Inhalt der angezeigten Snippets verantwortlich ist, dafür gibt’s sogar Google-Workshops).

Warum nur Google?

Wenn ein Gesetz ein verbindliches Lizenz-Modell für Links bzw. Textausschnitte zwangseinführt, stellt sich logischerweise die Frage: Wieso nur Google? So finden sich diese Snippets nicht nur auf Google, sondern z.B. auch auf Facebook (das auch Anzeigen schalten) via faz “Verleger wollen ‘fairen Anteil’ an Facebook-Werbeerlösen” auch wenn das nicht ganz aktuell zu sein scheint “Warum Google und nicht Facebook?”. Weiters finden sich Links auf diversen Newsdiensten, auf Wikipedia, auf Blogs und anderen Webseiten (z.B. Links zu Pressespiegel…).

Offen sind auch die Fragen:

  • Ab welcher Länge und bei welchem Inhalt ist ein Link bzw. Link und Snippet lizenzpflichtig?
  • Wird jedes Zitat mit Link kostenpflichtig?
  • Ist nicht jeder Headline-Link, der den Inhalt beschreibt (wie z.B. die Links auf meinen Blog) eigentlich ein phöser?
  • Ist eine gewerbliche Seite nur eine Seite die Werbung schaltet (direkte Einnahmen) oder auch meine Unternehmensseite auf der ich Links einbinde (indirekte Einnahmen)?
  • Warum soll das Recht auf Vergütung nur Verlagen und nicht jedem User, der Inhalte erstellt zustehen?
  • Ist die Gebühr bei Einbindung des Links fällig oder erst, wenn ein User draufklickt?
  • Wie hoch müssen die Gebühren sein damit nicht nur eine neue Verwertungsgesellschaft und die damit verbundene Bürokratie zu finanziert werden kann, sondern auch die Urhebern davon profitieren?
  • Gilt die Zwangslizenzierung nur für die Worte und den Link oder gar für den Inhalt der Nachricht (also das über was berichtet wird) siehe Geistiges Eigentum “Eigentum, geistiges” via neusprech.org?

Ignoriert wird in jedem Fall, dass die Verlinkungen in Wirklichkeit Werbung darstellen und Seitenbesuche bringen via perspektive-mittelstand.de “Zeitungs-Websites weiter auf dem Vormarsch” und damit eher die Frage aufwerfen, sollten nicht die Verlage dafür bezahlen bzw. einen Anteil ihrer Werbeeinnahmen an Google und Facebook abgeben?

Bemerkt wird diese Tatsache immer erst dann, wenn der Gegner nicht mitspielt “Google strikes back” oder – im Falle einer anderen Verwertungsgesellschaft – deutliche Einbussen drohen via computerworld.ch “Sony-Chef: «Internet ein Glücksfall für die Musikindustrie».

Ein Leistungsschutzrecht führt – neben dem Zitat-Recht via TU Dresden – eines der wichtigsten Instrumente des Internets: den Link ad absurdum und damit auch die sich entwickelnden Wertschöpfungsketten im Netz, die die Verlagsindustrie trotz Suchmaschinen nicht findet…

Deshalb ein Lesetipp für Verleger: “How to Save the News” via theatlantic.com

Martin Diller [Strategie | Kreation] . Ich berate Unternehmen, entwickle Strategien und Konzepte im Bereich Online-, Dialog Marketing und Corporate Design und sorge für deren Umsetzung.
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